Natur- und Tierschützer, aber auch die Agrarpolitik drängen seit langem auf ein Ende des „Kükentötens“. Rückenwind haben diese Initiativen im vergangenen Jahr durch die Urteile des BVerwG vom 13.06.2019 (3 C 28/16 und 3 C 29/16, RdL 2019, 398; vgl. dazu auch Beckmann RdL 2019, 379) erhalten. Danach ist das Aussortieren und Töten männlicher Küken nur noch für eine Übergangszeit zulässig. Die wohl maßgebliche Lösungsstrategie zielt auf die Züchtung des sog. Zweinutzungshuhns. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) fördert deshalb entsprechende Forschungsprojekte. Mit ihrer Unterstützung sind nun im Friedrich-Loeffler-Institut, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Universität Bonn und der Naturland Öko-Beratungsgesellschaft mbH zwei neue Forschungsprojekte angelaufen („Öko2Huhn“ und „RegioHuhn“). Das werden Rassen sein, die sowohl für die Eier- als auch für die Fleischerzeugung taugen, auch besser an die Besonderheiten der ökologischen Haltung und Fütterung angepasst sind. Die Projekte bauen auf erprobten Rassen/Kreuzungen auf und sehen umfangreiche Mast-, Schlacht- und Legeleistungsprüfungen vor.

Die Lebensmittelketten Rewe und Penny, die unternehmensrechtlich verbunden sind, entwickeln mit demselben Ziel, also der Vermeidung des sog. Kükentötens, neue Eigenmarken. Unter der Eigenmarke „respeggt“ sollen zukünftig Eier vermarktet werden, die ohne Kükentöten produziert wurden. Bei dieser Eierproduktion erfolgt die Geschlechtsbestimmung noch im Ei, und zwar am 9. Bruttag. Männliche Küken werden dann nicht mehr ausgebrütet, sondern es werden bereits die Eier aussortiert. In diesem Programm („respeggt“) werden derzeit wohl rd. 1 Mio. Legehennen gehalten, welche Zahl bis zum Jahresende auf 4 Mio. Tiere gesteigert werden soll. Die Eigenmarke „Bruderhahn“ setzt dagegen alternativ auf die Aufzucht (Mast) gerade auch der männlichen Küken. Damit liegen Rewe/Penny auf der Linie der Aldi-Märkte, die unlängst erklärt hatten, bis zum 31.12.2022 ihr gesamtes einschlägiges Sortiment auf Eier umzustellen, bei deren Produktion männliche Küken nicht getötet werden.

Die Ökoverbände (z.B. Demeter) sprechen sich inzwischen gegen das Modell der frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei aus. Sie propagieren die Modelle „Zweinutzungshuhn“ und die „Bruderhahn-Aufzucht“. Verfahren zur Geschlechtsbestimmung am Ei lösten das Problem nicht, sondern verlagerten es nur, denn Küken seien auch bereits im Ei schmerzempfindlich. Die Umweltorganisation PETA hat das Wort „Bruderhahn“ inzwischen zum „Unwort des Jahres“ erklärt, und zwar im Hinblick auf die kurzen Mastzeiträume, für die die „Bruderhähne“ gehalten/gemästet, dann geschlachtet werden.